Zensur im Kindermärchen und das wirklich gemeine N-Wort

Etwas sehr sehr sehr schlimmes ist passiert. Ein Eingriff in der Literatur. Eine Attacke auf die Wahrheit. Eine Beleidigung für die Kultur. Und vor allem: ein Sieg für die Sprachdiktatur, für die Sprachpolizei, für die Politically Correct 1984 Hobby-Zensoren. In einem Buch – in einem Kinderbuch – ist ein Wort gestrichen. Ein Wort. Gestrichen. Einfach gestrichen! Mit einem anderen Wort ersetzt. Könnt ihr euch das vorstellen? Einfach so. So dass die Kinder, wenn sie es lesen, das Buch besser verstehen können. Einfach so. Gestrichen und ersetzt. Vandalismus. Zerstörung. Der George Orwell dreht sich im Grab, sage ich euch. George Orwell dreht sich so schnell im Grab, so schnell, der sieht aus wie ein Epileptiker beim Wichsen, der ist nur am drehen und drehen und drehen und drehen, der ist wie Wonderwoman, der dreht sich so schnell. Ein Wort. Mit einem anderen Wort ersetzt. Bald brennen sie Bücher. Und ihr seid Deutschen, ihr wisst wie das endet. Zuerst Bücher, dann Juden. Scheiße. Scheiße. Scheiße. Zensur. Im Kindermärchen. Jetzt geht’s wirklich los mit 1984 und so.
Das Wort, was geändert ist, ist „Lacrosse.“ Sie spielen nämlich im Originalversion des Hanni und Nanni kein Handball. Handball gibt es nicht bei uns in England, überhaupt nicht, das Spiel existiert nicht. Als ich zuerst in Deutschland an kam, habe ich Hanni und Nanni gelesen. Ich bin davon ausgegangen, dass Handball das deutsche Wort für Lacrosse wäre. Aber nee. Das Wort „Lacrosse“ ist einfach gestrichen worden, einfach weggelöscht, einfach gestrichen und ersetzt, und ich bin sicher, dass alle, die sich aufgeregt haben, über Die Kleine Hexe und so, und Neger, und deutsche Kulturgut, und Zensur, und NEGER NEGER NEGER NEGER NEGER NEGER, 'Was schreiben sie als nächstes um? DIE BIBEL??????' Also, alle diese empörte deutsche Leute, sie werden jetzt völlig bereit sein, meine Petition hier zu unterschreiben, die an die Enid Blyton-Verleger geht, um zu plädieren, nee, um zu fördern, dass diese Zensur rückgängig gemacht werden sollte. HANDBALL: So eine Vertuschung. Als ob die Leute in England Handball jemals gespielt haben! Und als ob reiche Leute, die es sich leisten können, ihre Kinder ins Internat zu schicken, werden ihre Kinder jemals reimende Namen geben! Bei uns machen das nur die Prolls oder die Migrationshintergrundler. Also bei den Prolls: Sharon, Darren & Karen. Und bei den Migrationshintergrundlern: Anita, Rita und Sunita. Aber so ein Privatschulkind, total unglaubwürdig HA. WAS IST MIT DEM HISTORISCHEN KONTEXT? Wenn man ein Sport mit einem anderem Sport ersetzt, was in dem Land, wo die Bücher herkommen niemals - nicht nur damals nicht sondern niemals gespielt worden ist -dann hat man nicht nur nicht geachtet auf die HISTORISCHE UND GEOGRAFISCHE KONTEXTE sondern man hat die historische und geografische Kontexte in den Arsch gefickt ohne Kondome. Ohne Kondome und ohne Erlaubnis. Man vergewaltigt die historische und geografische Kontexte dieser Bücher in den Arsch in dem Schlaf ohne Kondome und dann kackt man auf dem Teppich. Oder? Oder? Oder? Oder?
„Nee“, sagt die deutsche Nation. „Du hast das falsch verstanden, Jacinta. Bei Enid Blyton geht es nur um eine praktische Lösung zu einem Verständnisproblem. Deutsche Kinder kennen nicht das Wort 'Lacrosse' und deswegen, wenn sie das Buch lesen, und dieses Wort sehen, was sie nicht verstehen, wird das ihren Spaß an dem Buch verderben. Das ist verwirrend für sie. Äh – wenn wir über deutsche Kinder reden, reden wir über die blonde deutsche Kinder, ist dir klar. Nicht die – oh jetzt muss ich vorsichtig sein, sonst kriege ich Geldstrafe von der Sprachpolizei – nicht von der MAXIMALpigmentierten – ha ha ha ha.“
(Es gibt übrigens drei Sachen, die deutsche Männer mir sagen müssen, dann weiß ich, dass sie kleine Schwänze haben. Nummer Eins: „Maximalpigmentiert.“ MINIMAL Schwanz, höre ich nur. Nummer Zwei: 'Bald werden sie 'der die das' abschaffen, weil es sexistisch ist!' Nummer Drei: 'Was schreiben sie als nächstes um? DIE BIBEL?' Deutsche Leute, ich will eure Gefühle nicht verletzen. Die Bibel ist schon ein paar mal umgeschrieben worden. Oder denkt ihr etwa, dass Jesus eigentlich Deutsch gesprochen hat? Die Bibel ist im Grunde genommen eine Sammlung voll oft umgeschriebener Texten.)
„Ach, so“, sage ich. „Aber was ist mit den schwarzen deutschen Kindern, die nicht verstehen können, warum sie Neger heissen sollen? Was ist mit den? Werden sie nicht verwirrt? Werden sie nicht verletzt? Werden ihnen nicht das Spaß am Lesen verdorben?“
„Oh, ihre Gefühle zählen nicht“, sagen die deutsche Nation, „weil es so politisch ist, wenn schwarze Kinder verwirrt oder sogar verletzt sind sind. Wenn normale, gute, blonde, deutsche Kinder verwirrt sind, dann ist das ein Verständnisproblem, und man kann die Büchern so ein kleines bisschen anpassen und aktualisieren und so. Handball statt Lacrosse hier, die Namen Hanni und Nanni statt Isabel und Patricia da, so ein bisschen Anpassungen und kleine Veränderungen, die nicht wichtig sind. ABER WENN ES UM SCHWARZE KINDER GEHT, dann ist das Politisch. Dann ist das Zensur. Dann ist das schlimm, schlimm, schlimm. Das wollen wir nicht haben, hier in Deutschland. Sie sollen einfach dickere Haut haben. Sie sollen dickere schwarze Haut haben. In der Zeit, in der die Bücher geschrieben worden, damals waren sie alle Neger. Sie sollen jetzt dankbar sein, dass sie es nicht mehr sind, und vernünftig Maul halten und an den historischen Kontext denken. Seid dankbar, dass ihr nicht mehr tatsächlich Neger seid. Ihr habt doch dicke schwarze Haut. Benutz sie beim Gute-Nacht-Geschichte-zuhören.“
Ich nicke. Ich laufe weg von der deutschen Nation, und mache die Petition über Hanni und Nanni doch nicht. Stattdessen mache ich eine neue Petition. Sie lautet so:
„Die deutsche Leute sind doch alle Nazis, jede einzelne. Das wird man doch noch sagen dürfen.“
Ich unterschreibe alleine. Ich, die böse Ausländerin gegen das deutsche Volk. Ich gebe sie ab bei Gauck. Er liest es durch und nickt, langsam. Hinter ihm weint das deutsche Volk:
„Die gemeine Ausländerin hat uns alle Nazis genannt! Sie ist so böse und gemein! Sie ist so unfair! Sie hat unsere Gefühle verletzt! Sie ist gemein! Papa, die böse Ausländerin hat das N-Wort benutzt! Das wirklich gemeine N-Wort! Denn wir Deutschen, wir sind eigentlich nicht alle Nazis - aber die Schwarzen sind doch im Grunde genommen alle Neger! Deswegen ist voll gemein so! Sie hat einfach gegen uns alle diskriminiert und pauschalisiert und stigmatisiert! Und wir haben keine dicke Haut wie ein acht-jährige schwarzes Kind! Das verletzt uns doch mit unserer dünnen zarten europäischen Haut.“
Ich gucke die deutsche Nation an. Ich sage: Sechs-Sieben-Acht-Jährige-Kinder sollen nicht heulen, wenn man sie Neger nennt, dann heult doch nicht ihr. Ihr seid nicht Nazis, ihr seid schlimmer als das. Ihr seid kleine, niedrige, faule Muschis, die Angst vor allem haben, Angst vor allem und Angst um alles: jede kleine Veränderung, jede Änderung - jede kleine Kompromislösung sieht ihr als schwerer Verlust - Angst vor der Zukunft, Angst vor Political Correctness, Angst vor Zensur - Angst vor allem – Angst vor allem was es gibt in dieser Welt - ausser das Wort Neger. Sagt es doch. Sagt es so laut ihr wollt. Kauft alle die Lindgrens und die Preusslers in Hugeldubel und nehmt alle die Worte 'Schwarzen' oder 'Seekönig' weg, mit Korrketurstift, und ersetze sie mit dem Hand mit dem schönen deutschen Wort 'Neger'. Es geht schliesslich um eure oh so wichtige deutsche Kulturgut. Eine Kulturgut, was angewiesen ist, auf das bis immer Bestehen des Wortes Neger in Kinderbüchern. Rettet eure schöne deutsche Kulturgut! Sie ist bedroht! Es gibt vielleicht ein paar schwarze Kinder in Deutschland, die nicht wissen, dass sie Neger sind! Eure Kulturgut stirbt wie ein krankes gekidnapptes Kind im Keller, wenn es weiter so geht. Eure Kulturgut braucht sieben-jährige-schwarze Kinder, die wissen, dass ihr sie für Neger hält. Wie sauerstoff. Oder? Doch. Das denkt ihr. Das denkt ihr tatsächlich. Und IHR werft mir Deutschfeindlichkeit vor.

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