Timo

LIFE- Auszug (Seite 112)

Jan Schmidt, 14 Jahre alt, steht vor der Wohnungstüre seiner Familie und zieht den Schlüssel hervor. In diesem Moment öffnet sein Vater Tom. Seine Miene ist wie versteinert. „Hallo Jan... Komm rein.“
Jan wirft ihm einen verwirrten Blick zu. „Alter, was ist denn los?“ Er tritt ein. Drinnen steht Jans Großmutter Henriette. Sie schnaubt gerade in ein Taschentuch. Jans einjähriger Bruder Philipp hängt an ihren Beinen. Tom schließt die Türe. „Die Polizei war gerade da. Ella ist tot. Sie hat einen Schlaganfall bekommen.“
Die Welt fängt an zu wanken. „Was? Was redest du? Mama ist doch nicht tot?“ Nein, Mama ist nicht tot. Nein. Nein. „Nein!“ Sie darf nicht tot sein. Eine schreiende Welle rast durch den Raum und klatscht gegen die Wände. Jetzt wanken die Wände. Jetzt flackern die Lichter. Eine zweite kreischende Welle überflutet die Wohnung. Sie greift nach seinen Beinen. Er spürt die eisige Kälte. Es ist zu viel! Er muss hier raus! Er wankt in sein Zimmer. In die schreiende Stille. Krächzen. Stille. Nackte Glühbirnen. Auf einmal geben seine Beine unter ihm nach. Die Wand kippt zur Seite. Er tastet nach Halt. Er greift ins Leere. Er bricht ins Nichts. Niemand hält ihn. Schwarze Flecken bedecken die Welt. In seinem Inneren zerplatzt die Seele. Aus weiter Entfernung kommt Toms Stimme. „Ich weiß, es ist hart.“
Jan sucht nach Worten. „S- Sag, dass das nicht wahr ist. Bitte Tom. Was ist denn los? Wo ist sie denn? Sie kann doch nicht weg sein…“ Er beginnt zu weinen.
„Sie ist im Himmel.“
„A- Aber wieso ein Schlaganfall? Wieso d- denn…?“ Eine Träne rollt ihm über die Wange und bleibt an seinem Mundwinkel hängen. Sie zerfließt salzig auf der tränen-schweren Stimme. Er versucht erneut, etwas zu sagen. „Wi… Wie- so…“ Er schafft es einfach nicht.
„Manchmal gibt es Dinge, die man nicht vorhersehen kann. Du musst jetzt stark sein.“ Tom hält Jans Hand. „Für Philipp.“
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