Clavain

Der deutsche Auftrag

Der deutsche Auftrag

Sherlock Holmes hielt ein Fax in der Hand. Es stammte von der deutschen Polizei aus Berlin. Ein Hr. Wüsstegern bat ihn sofort zu kommen um einen sehr verzwickten Fall aufzuklären. Holmes schaute Dr. Watson an, der wie immer von nichts wusste:

„Wie gut ist ihr Deutsch?“
„Etwas eingestaubt aber ansonsten radebrechen, wie ihres.“
„Gut, dann nehmen wir die 2 Uhr Maschine nach Berlin.“

In Tegel angekommen wurden sie von ein paar Handlangern Hr. Wüsstegerns abgeholt.
Im Präsidium wurden sie dann offiziell mit Marzipantorte begrüßt, denn es ging auf Weihnachten zu.

„Schnell, bevor der erste Schnee fällt.“
„Wir sind bereit.“

Am Tatort in der nicht näher bezeichneten Strasse, standen sie in einem Wohnzimmer wo gegenüber dem offenstehenden Fenster ein großer TV Bildschirm hing und vor dem in 90 cm Entfernung ein Mann zusammengesunken in einem Sessel hing. Der Hinterkopf war von einer Kugel zertrümmert. Sherlock Holmes nahm das zur Kenntnis erkannte aber auf den 2. Blick, dass das nicht der einzigste Schuss war, der in der Tatnacht gefallen ist. In der Wand rund um den Fernseher sah er ein paar Einschlaglöcher und auch der Flatscreen hatte eine Kugel abbekommen.

„Interessant Watson, nicht wahr?“
„Natürlich fordert das den Spezialisten, Holmes.“
„Ihr Bericht Wüsstegern?“
„Spätnachts wurde von der Streife eine Person auf dem Bürgersteig vor der Hausfront bemerkt, welche mit sehr komplizierten Splitterbrüchen beider Beine dalag. Das einzige Zimmer wo zu dieser Zeit noch Licht brannte, war dieses hier. Niemand hatte etwas gesehen oder gehört und die verletzte Person hatte sich heiser geschrien. Wir nehmen an, es wurde geschlafen oder fernsehen geguckt, so dass die Hausbewohner schlechte Zeugen wären.“
„Vielen Dank Wüsstegern. Wurde vielleicht ein Seil gefunden?“
„Nein, aber ach so, auf dem Tisch hier lagen noch 2 Zirkuskarten für nächstes Wochenende. Wenn sie schon mal in der Stadt sind Holmes, dürfen sie sich keinen auch noch so kleinen Hinweis entgehen lassen.“
„Nochmals, Vielen Dank.“

Zurück in ihrem Hotel nahmen sie ein kleines Abendbrot ein und lauschten den Pianoklängen von der Bar. Holmes stopfte seine Pfeife und fixierte Watson, der wie immer von nichts eine Ahnung hatte, was Holmes aber hilfreich fand, da er gern alles erklärte, was mit seiner Deduktion zusammenhing. Aber während die ersten Kringel in die Luft stiegen, verwarf Holmes seine erste These, dass sich der Mörder vom Dach des Hauses abgeseilt hatte, dann zu viel Zielwasser getrunken hatte, abstürzte und dann das Seil verschlang, was ihm ein Komplize vom Dach hinterhergeworfen haben müsste.. Obwohl Watson deswegen gleich eine Obduktion an dem noch lebenden Hauptverdächtigten vorschlug, blieb Holmes wohlgelaunt und schlug vor nichts zu überstürzen und erst mal den Zirkusbesuch abzuwarten.



Die Manege war noch dunkel als die beiden Gentleman Platz nahmen und dabei allen Umsitzenden die Getränke zufällig irgendwo hin kippten, Hauptsache nicht in den Mund. Sobald danach Ruhe eingekehrt war und die erste Pferdenummer begann, verfiel Holmes in tiefste Konzentration, was Watson dazu veranlasste es genauso zu tun. Der Clown trat diesmal auf einem Trampolin auf und der Seilakt lief auch irgendwie zu glatt. In der Pause bestätigten sich beide schon bessere Vorstellungen besucht zu haben und das hier unter Ulk abzubuchen. Aber Holmes bemerkte irgendwie käme er sich so vor etwas verpasst zu haben. Watson witterte seine Chance.

„Vielleicht ritt jemand auf einem 3m Zauberpferd vorbei, dass nicht stillstehen konnte während er versuchte das Opfer in den Hinterkopf zu treffen. Oder jemand aus der gegenüberliegenden Wohnung.“
„Dazu sind die Einschüsse zu unfokussiert, er muss von außen ganz dicht ans Fenster gekommen sein. Und das Pferd hätte schon ziemlich toben müssen um seinen Reiter abzuwerfen und dann hätte es sich ja auflösen müssen, samt eventuell kunstvoll hinterlassener Pferdeäpfel.“

Die 2. Hälfte der Vorstellung bestand aus domptierten Großkatzen, einer Akrobatikgruppe und noch einem Clown, diesmal auf Stelzen. Watson sagte dazu lieber nichts, denn es wurde ja nichts gefunden und eine Komplizenschaft zu vermuten oblag allein dem erfahrenen Holmes.
Nachdem Wochenende war Holmes voller Tatendrang. Am Frühstückstisch konnte Watson ihn kaum noch bremsen:

„Der Zirkus kann kein Zufall gewesen sein.“
„Was sie nicht sagen.“

Der Concierge übergab ihnen ein Telegramm von Hr. Wüsstegern. -Clown erschießt den Splitterbruch und sich selbst. Bekennerschreiben gefunden.- Holmes bat Watson nochmal mit zum Tatort zu kommen. Dort befragten sie den Hausmeister ob ihm in der fraglichen Nacht wirklich gar nichts aufgefallen sei. Das hätte er doch schon der Polizei erzählt. Na gut für ihn auch noch mal:

„Das Müllauto hat die Tonnen geleert.
„Interessant, interessant.

Ein Anruf bei der BSR ergab, dass letzte Woche ein Rucksack auf den Müllsortierungsbändern aufgefallen war. Man hatte ihn zum Fundbüro gebracht.
Dort angekommen wunderte sich Wüsstegern über den Inhalt. Ein 2m² grosses Netz mit Aufhängungshaken an jeder Ecke und ein Haufen Metallstangen wollten einfach keinen Sinn ergeben. Er fuhr zum Tatort, wo er zufällig Holmes und Watson traf.

„Das ist es.“ sagte Holmes.
Watson: “ Stimmt, keine Stelzen.“

(C)
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