Micha Winkler
http://pirat-micha.blogage.deLiebe in Reimen
Es trafen sich da einst zwei Menschen,
einer ein Weibchen, einer ein Männchen.
Sie erregte seine Attention,
drum setzte er an zu einem Ständchen.
„Oh, holde Dame, ich begehr’
Ihren Körper ja so sehr,
würd’ ich sagen, wenn ich wär,
ein wohl erzog’ner, feiner Herr.
Doch da’s mir an Benehmen fehlt,
bin ich, wenn der Trieb mich quält,
sehr viel offener ... ja, unverhehlt,
sag’ ich frei, was mich grad quält.
Ich würde Ihnen gern was geben,
sollte sich da was ergeben,
gesetzt dem Fall, Sie woll’n was erleben,
was Sie könnt’ füll’n mit neuem Leben.
Drum würd’ ich Sie wohl gerne fragen,
ob Sie in den nächsten Tagen,
könnten – bei Madame’s Behagen –,
mir einen Tag, der passe, sagen.
Ich würde dann – so ganz verwegen –,
zu Ihnen kommen, auf Umwegen,
um Sie zu Ihrem eig’nen Segen,
liebevollst mal flachzulegen.
Wir würden uns kurz duellier’n,
doch gäb’s dabei nichts zu verlier’n,
außer Dingen, die uns genier’n,
wenn wir nach dem Fleische gier’n.
Wenn Sie all das wer’n so hör’n,
könnt’ es sein, ’s wird Sie verstör’n,
doch könnt’ es Sie ja auch betör’n,
und Sie würden sich nicht wöhr’n.“
„Ach, mein Herr, wenn ich jetzt wüsste,
warum er hat solch’ Triebgelüste,
als ob er’s wirklich tun müsste,
sei er doch froh, wenn er mich küsste.“
„Sie haben Recht, Sie feine Dame,
Ungeduld, mein zweiter Name.
Ja, seh’ ich sie, ich fast erlahme,
und mit mir lahmt auch der Same.“
„Sie meinen wohl, Sie sei’n jetzt weiter,
will heißen, dass Sie wär’n gescheiter,
nur weil Sie hier so fröhlich heiter,
mimen mir den Reimereiter?“
„Oh, Mann, oh Mann, die Frau kann dichten,
und nicht mal schlecht ... nein, nein, mitnichten,
ich glaube fast ich könnt’ verzichten,
auf alle weit’ren Bettgeschichten.
Nun, der Sieg ist Ihrer, Majestät,
denn wer sich so auf’s Reim’n versteht,
der hat’s verdient, dass man dann geht,
wenn ein solcher Winde weht.“
„Halt, halt, der Herr, sonst werd’ ich rüde.
Glauben Sie, dass ich bin prüde?
So dreh’ er mir erst mal ’ne Tüte,
und dann wer’n wir beide müde.
Dann dürfen Sie das alles tun,
was sie sonst zu pflegen tun,
wenn Sie neben Damen ruh’n,
Sie der Hahn und ich das Huhn.
Ja, ich mag dein Haargelockel,
Welch schöne Feder, hast du mein Gockel,
und mit dem, was ich hab’ unter’m Rockel,
stoß’ ich dich von deinem Sockel.“
Die Venusfalle schnappte zu,
und er wurd’ leise, fast im Nu,
„Ach, lieber Gott, find’ ich nur Ruh,
wenn ich solche Reime tu?“
Ja, man hört ihn leise fleh’n.
Ein bisschen kann man ihn versteh’n,
auch wenn man beide kann nicht seh’n,
’s ist an der Zeit, dass wir nun geh’n,
wenn er wird itze langsam schmusen,
an ihrem holden bebend’ Busen,
und sie mit ihren vielen Musen,
vertreibt ihm auch die letzten Flusen.
(Ja, so kommt’s, wir schweigen still,
weil die Liebe leis’ sein will.)
Und so endet die Geschicht’ –
weil gelöscht wurde das Licht –
und ihr End’, das kennt’ man nicht,
doch die nächste ist bald in Sicht.
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