Micha Winkler

Sozial ist, was Arbeit schafft - Teil 11: Der Schreiberling


Servus, Wolfgang Schreiber, Journalist,
ich schreib' über alles, was wichtig ist,
über diesen, über jenen,
Schreiben liegt mir in den Genen.
Bin bei der Zeitung mit viel Bildern,
weil Bilder einfach besser schildern,
was wir rüberbringen wollen,
oder soll ich sagen ... sollen?

Hart am Gesetz, vorbei an Sitten,
zwischen Schrift sind bei uns T***en.

Uns're Leser lieben das,
verkürzte Infos bringen Spaß.
Wir wollen klotzen und nicht kleckern,
uns're Leser wollen meckern.
Drum ziel'n wir ab auf Emotionen,
wir keinen und auch niemand' schonen.
Bei uns wird härter rangenommen,
manche nennen uns verkommen.
Doch lass die Kritiker nur reden,
als ob sie's selber besser täten.

Wir sind groß, wir haben Macht,
bei uns fetzt es, weil es kracht.
Selten sind wir wirklich leise,
wir machen Info aus jeder Sch***e.

Ich mach das gern, wenn auch nicht immer,
doch anders wär's wohl weitaus schlimmer,
denn der Verkauf läuft ganz bescheiden,
wenn wir haben Friedenszeiten.
Drum muss man stacheln, muss man rühren,
muss die Massen stets verführen,
muss kitzeln alle nied'ren Triebe,
ach, wie ich den Job doch liebe.

Niemals geht der Stoff mir aus - Nein, nie!
Für'n Geist ist das wie Onanie.
Mein Feder wird niemals schlapp,
beim Schreiben geht mir einer ab.
Dem Leser auch, das wissen wir,
der Deutsche mag uns wie sein Bier.
Für's Abregen gibt's Hopfen und Malz,
oh ja, oh ja, lieber Gott, erhalt's.
Und zur Balance, für's Aufregen,
gibt's unser Blatt - es ist es ein Segen.

Wir schaffen so viele Arbeitsplätze,
weil wir machen auf Nebenschauplätze.
Vorbei an wirklich tiefen Dingen,
weil die keine Quote bringen.
So lesen uns alle, kaum einer gibt's zu,
jeder will halt seine Ruh',
dann meckert er - im Stillen meist,
oder anonym als Internetgeist.

So, ich muss los ... doch hey, don't worry!
Ich schreib für dich die nächste Story.
Ich nehm mir gern auch dich mal vor,
wenn du schießt ein Eigentor.
Mach was Dummes, mach auf Proll,
Niveau nicht wichtig, Hauptsache toll.
Für mich bist du dann ein wahrer Schatz,
denn sicherst meinen Arbeitsplatz.
Und wenn dann alle sind mal toll,
ist Deutschland bald mit Arbeit voll.
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