Jutta
"Was weißt Du vom Feuer?"
„Was weißt Du vom Feuer?“
sprach das Gemäuer
zum Stein,
der – trunken vom Wein –
vom Tod, von Trauer und Hass
dalag im Gras;
„Was weißt Du vom Feuer?“
sprach das Gemäuer
zum Stein,
der – winzig und klein –
verstockt, blockiert und gemein
schwieg!
„Was weißt Du vom Feuer?“
sprach das Gemäuer
zum Stein;
ruhig, behutsam,
ohne Zorn und ohne Wut
... und dem Stein tat es gut ...
„Was weißt Du vom Feuer,
von seiner Glut und Gier?
Warum liegst Du hier?
Was weißt Du vom Feuer,
von seiner Wärme und Macht?
Warum hast Du nicht nachgedacht,
bevor Du entschieden,
es auszutreten, noch ehe Du es gekannt?
Warum hast Du Dich verrannt,
um zu sterben im Gras
aus Trauer und Hass?
„Wie heiß wird es sein?“
murmelte der Stein...
„Wie weh wird es tun,
und wann kann ich ruh´n
von Tod, Trauer und Hass?“
„Wenn Du es gefunden hast,
wenn Du brennen kannst
und darin zu tanzen vermagst,
wenn Du ihm Dein Leben anvertraust,
und nicht mehr nach hinten schaust,
dann kannst Du ihm Tod, Trauer und Hass überlassen.
Dann kannst Du es berühren und fassen;
Es wird in Dir lodern, und es wird Dich wiegen,
es wird Dich wärmen – und Du wirst Trauer und Hass besiegen!“
„Ich will es suchen.“
sprach der Stein zum Gemäuer.
„Vielleicht – wenn ich es gefunden –
weiß ich vom Feuer,
und dann komme ich hierher zurück.“
„Dann wünsche ich Dir Glück!“
sprach das Gemäuer zum Stein
und wusste:
So soll es sein!
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