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Zwei Seitenschneider

In mei­ner Küche im Brot­kas­ten, in wel­chem ich ange­fan­ge­ne Spa­ghet­ti-Packun­gen, Fil­in­chen, Waf­feln und Brot auf­be­wah­re, habe ich vor ein paar Tagen unter den Nudel­pa­ckun­gen mei­nen alten, noch in der DDR her­ge­stell­ten Sei­ten­schnei­der gefunden.
Ach hier ist der!, dach­te ich, den hab ich ja schon lan­ge nicht gese­hen, blöd, blöd, den Sei­ten­schnei­der in den Brot­kas­ten gelegt zu haben, wie ver­peilt muß ich gewe­sen sein.
Ich habe den Sei­ten­schnei­der sogleich mit WD-40 wie­der gän­gig gemacht und mich gefreut, daß ich mei­nen alten DDR-Sei­ten­schnei­der noch habe.
Heu­te woll­te ich den Brot­kas­ten ein­mal rich­tig rei­ni­gen und räum­te, um die Brot­krü­mel am Boden aus­zu­kip­pen, alle Waffel‑, Fil­in­chen- und Nudel­pa­ckun­gen her­aus und fand noch einen Seitenschneider.
Ich war mir sehr sicher, nur einen sol­chen DDR-Sei­ten­schnei­der zu besitzen.
Nun habe ich zwei, und bei­de waren im Brotkasten:

Wie geht das? Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirk­lich nicht. Ange­nom­men ich hät­te tat­säch­lich zwei die­ser Sei­ten­schnei­der beses­sen, sie sind nicht iden­tisch, sie sehen sich aber sehr ähn­lich, sie sind auf den ers­ten Blick kaum von­ein­an­der zu unter­schei­den, dann hät­ten sich die bei­den Sei­ten­schnei­der bis zum heu­ti­gen Tage nie nebst mei­ner Gegen­wart am sel­ben Ort befun­den. Der eine war in mei­nem Werk­zeug­kas­ten und der ande­re irgend­wo in der Woh­nung, gra­de in Benut­zung, wobei ich dann dach­te, das sei der Sei­ten­schnei­der aus dem Werk­zeug­kas­ten und umgekehrt.
Soweit ist das noch mög­lich, und es ist auch denk­bar, daß ich einen Sei­ten­schnei­der in den Brot­kas­ten, statt in den Werk­zeug­kas­ten lege, es sind bei­des Käs­ten, da kann man sich viel­leicht mal irren. Ich habe auch schon das Mehl in den Kühl­schrank gestellt, und sogar den Woh­nungs­schlüs­sel habe ich mal unter die Spü­le zum Leer­gut gelegt, aller­dings im Suff, und am nächs­ten Tag lan­ge gesucht. Ich schlie­ße also nicht kate­go­risch aus, daß ich einen Sei­ten­schnei­der in den Brot­kas­ten legen könn­te, aber zwei mal? Soll­te ich zwei mal so schus­se­lig gewe­sen sein, einen Sei­ten­schnei­der in den Brot­kas­ten, statt in den Werk­zeug­kas­ten zu tun, dazu noch einen Sei­ten­schnei­der, von dem ich sicher war, ihn nur ein­mal zu besitzen?
Wenn ich von Erklä­rungs­ver­su­chen abse­he, die über­na­tür­li­che Phä­no­me­ne ein­be­zie­hen, Matrix­feh­ler, Zau­be­rei, Quan­ten­ef­fek­te, dann bleibt, neben der Befürch­tung, daß ich irgend­wann in mei­nem Werk­zeug­kas­ten ver­schim­mel­tes Brot fin­de, nur noch die Stasi.
Es soll zu deren Metho­den gehört haben, heim­lich in die Woh­nun­gen obser­vier­ter Per­so­nen ein­zu­drin­gen und win­zi­ge Ver­än­de­run­gen vor­zu­neh­men, um die Per­so­nen ver­rückt zu machen. So wur­den im Bad Hand­tü­cher ver­tauscht, oder im Wohn­zim­mer wur­de eine Vase ver­rückt. Das funk­tio­niert natür­lich nur bei sehr peni­blen Leu­ten, bei wel­chen, die für jedes Hand­tuch einen Haken haben und genau wis­sen, wie sie gehan­gen haben. Das wür­de bei mir nicht klap­pen, und selbst zwei Sei­ten­schnei­der im Brot­kas­ten, was schon eine ori­gi­nel­le Idee ist, brin­gen mich nicht aus dem Tritt.
Ich freue mich sehr, daß ich nun zwei sol­che DDR-Sei­ten­schnei­der besit­ze, sie sind sehr sehr schön, und, falls tat­säch­lich die Sta­si dahin­ter ste­cken soll­te: Kann ich noch einen drit­ten bekommen?

Tags: Stasi, DDR, Seitenschneider

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