Was war eigentlich am 2. Mai?

Am 2. Mai war Tag der Arbeitslosen.

Wir waren demonstrieren, fast alle anderen nicht.

In der Mathematik würde so eine Aussage bedeuten: Wir, eine Hand voll Leute und zwar endlich viele Leute, waren demonstrieren. Unendlich viele andere waren nicht demonstrieren. Das ist so wie zu sagen: Fast alle natürlichen Zahlen sind größer als 7 Milliarden.

Wir waren 700. Vielleicht auch 300. Wahrscheinlich 500. Irgendwas dazwischen. Wir waren so viele, wir konnten uns nicht mehr an einer Hand abzählen. Und trotzdem waren ganz viele nicht da. Zum Beispiel die Angestellten in den Flughäfen.

Dass es die Angestellten in den Flughäfen gibt, habe ich neulich in einer Doku auf Youtube über deutsche Flughäfen gesehen, die ich mir in Ermangelung neuer Mayday-Alarm-im-Cockpit-Folgen angeschaut habe.

Ich gebe zu, dass ich ein bisschen süchtig bin nach diesen Mayday-Alarm-im-Cockpit-Folgen bin. Sie sind spannend gemacht, auch, wenn sie manchmal etwas unlogisch sind.

Da sieht man die Ermittler mit Schutzanzügen und Schutzmasken bei der Absturzstelle in den Wrackteilen nach Hinweisen zur Absturzursache suchen, aber sie finden nichts, deshalb heißt es, sie müssen jetzt die Wartungsunterlagen des Flugzeuges durchsehen, ob sich da, vielleicht verursacht bei einer Reparatur, ein Fehler in die Mechanik des Flugzeuges eingeschlichen hat. Und so sieht man die Ermittler in der nächsten Szene einen Stapel Aktenordner aus einem Schrank holen, die Wartungsunterlagen, die sie durchsehen wollen, und dabei tragen sie immer noch Gasmasken.

Das ist unlogisch. Um ein Buch zu lesen oder einen Ordner voll Akten sein, benötigt man keine Gasmaske.

Aber dennoch, sehr spannend gemacht, diese Mayday-Folgen. Nur irgendwann hat man sie alle gesehen und will trotzdem mehr.

So habe ich mir aus lauter Verzweiflung diese Doku über deutsche Flughäfen angesehen, in der Hoffnung, dass da vielleicht auch irgendwas abstürzt.

Pustekuchen. Es ging um deutschen «Flughafenwahn», wie sie es nannten. Dabei ging es gar nicht um den BER. Es ging nur um die vielen kleinen Flughäfen, die es an zig Orten gibt. Es ging um Flughäfen, die an gewissen Stellen in unserem Land liegen, dicht nebeneinander. Im Abstand von 50 Kilometern, Flughäfen, die auf den Beschluss eifriger Politiker gebaut worden sind, um die Wirtschaft in der Region zu stärken und damit Arbeitsplätze zu schaffen, Flughäfen, die die Landschaft verschandeln und jetzt zig Millionen jährlich an Betriebskosten verschlingen, weil da nur einmal die Woche ein Passagierflugzeug startet.

Um diese Flughäfen ging es in der Doku. Und um die Politiker, die sie haben bauen lassen und um die Politiker, deren Städte jetzt zig Millionen pro Jahr miese machen, um die Flughäfen am Laufen zu halten.

Die Politiker wurden gefragt, warum diese defizitiären Flughäfen nicht einfach geschlossen werden, und sie haben geantwortet, dass dann ja ganz viele Arbeitsplätze verloren gingen.

Die Flughafenangestellten also. So hab ich erfahren, dass es sie gibt.

Und die Lösung ist dabei so einfach: Der Flughafen wird geschlossen, den Angestellten vom Flughafen werden weiterhin die Gehälter gezahlt.

Die Stadt macht weiterhin zig Millionen miese im Jahr. Aber es gibt diesen beknackten Flughafen nicht mehr.

Aber das wäre ungerecht, weil die Flughafenangestellten nichts mehr leisten müssen für ihr Geld.

Und genau dafür haben wir demonstriert. Am 2. Mai. Dass man Geld kriegt, ohne was dafür leisten zu müssen. Aber die Flughafenangestellten waren nicht dabei.

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