Zurück aus dem Mutterjahr
12.1.2012
Die Sekretärin ist zurück aus dem Mutterjahr. Ich begegne ihr im Büro. Sie richtet sich grade an ihrem Schreibtisch ein. „Ach ist das schön“, sagt sie. „Endlich darf ich wieder arbeiten gehen.“„Aha“, sage ich. „Du darfst wieder arbeiten gehen. Wie schön für dich, wenn es dir was bedeutet.“
„Aber ja! Endlich komme ich wieder unter Leute. Hast du eigentlich mein Kind schon gesehen?“ Sie nimmt ein gerahmtes Foto vom Schreibtisch und zeigt es mir. Ein fettes Kindergesicht grinst mich dämlich an.
„Ist das nicht süß?“, sagt sie. „Ist es nicht das süßeste Kind der Welt?“
Na ja, denke ich und sage: „Ja, doch. Es ist das süßeste Kind der Welt. Das Foto ist auf jeden Fall erstaunlich. So detailreich. Beeindruckend, wie gut diese Ultraschallaufnahmen heutzutage doch sind.“
„Hä?“, sagt sie. „Das ist doch keine Ultraschallaufnahme. Das Kind ist doch längst auf der Welt. Das Kind ist ein Jahr alt!“
„Ach!“, sage ich. „Dann ist das Kind gar nicht mehr in deinem Bauch? Dann … dann … bist du schon wieder schwanger?“
„Nein.“
„Ach“, sage ich. „Dann … dann … dann habe ich mich wohl geirrt. Es sieht jedenfalls so aus.“
„So ein quatsch“, sagt sie.
„Du hast recht“, sage ich, „Es sieht wirklich nicht so aus, als ob du schwanger wärst. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass du einfach nur dick geworden bist.“
„Idiot!“, sagt sie.
„Na, das kann ja mal passieren, wenn man ein Kind kriegt. Sei froh, dass du ein Kind gekriegt hast. Du kannst ihm später die Schuld dafür geben, dass du so fett geworden bist. Sieh dir nur deine Kollegin an. Die arbeitet hier auch schon ein paar Jahre, hat noch nie ein Kind gekriegt und trotzdem stetig zugenommen. Früher war sie sogar noch attraktiv … aber jetzt … und sie hat nicht so ein süßes Kind wie du, dass sie dann verprügeln kann.“
„Ich würde doch nie meinen süßen Sohn verprügeln. Ich bin grade mal zwei Stunden auf Arbeit, da vermisse ich ihn schon. Der ist sooo toll. Er ist ein Jahr alt, und stell dir vor, man glaubt es kaum, aber er hat neulich seine ersten Schritte gemacht. Er fängt an zu laufen!“
„Na so was“, sage ich. „Da musst du dir aber keine Sorgen machen. Das ist normal in dem Alter. Das wird später noch schlimmer mit dem Laufen. Zuerst geht das langsam los. Drei Schritte. Platsch. Hingefallen. Drei Schritte. Platsch. Irgendwann werden es 10 Schritte, dann 20, dann 100 und mehr. Es geht unaufhaltsam bergab.“
„Bergab?“
„Ja klar, das ist der Lauf des Lebens. Erst niedlich, später dick. Schau mich an!“
„Aber, du bist doch nicht dick.“
„Dann schau eben dich an.“
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Das Fehlerchen kaufen
3.1.2012
Nun gibt es das Fehlerchen auch schon zu kaufen (Gut - im Augenblick kannst du es nur vorbestellen).Zum Beispiel hier: Das FehlerchenUnd damit du weißt, worum es geht, hier kommts:„Das Fehlerchen“ ist ein Roman über den Sinn und den Wert eines einzelnen Lebens.
Neue philosophische, moralische und technologische Fragen verlangen nach neuen Antworten. Zum Beispiel: Funktioniert Auftrieb auch, wenn man gerade wegschaut? Gibt es Urheberrechte für Flugzeugabstürze? Kann man die eine lieben, aber mit der anderen schlafen? Können Menschen in ihre Einzelteile zerlegt und an anderer Stelle wieder zusammengebaut werden? Und wie kopiert man überhaupt eine Seele?
Ein Ebook kaufen
27.12.2011
Da kam mir nun in den Sinn, da ich mir kürzlich einen Sony-Ebook-Reader angeschafft habe, ein Ebook zu kaufen, was ich dann aufgrund der ulkigen Preisgestaltung doch nicht getan habe. Es ging um das Werk "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin. Das Taschenbuch, erschienen bei DTV, kostet neu 8,90 Euro, und eine Ebook-Ausgabe von Fischer ist 9 Cent teurer, sie kostet 8,99 Euro (Auch die Kindle-Version kostet 8,99 Euro).Nun fragt sich der Käufer (also ich): Warum soll ich mehr Geld für ein Buch ausgeben, das dem Verkäufer keinerlei Versandkosten verursacht, das dem Hersteller keinerlei Druckkosten verursacht, das ich nicht einmal anfassen und das ich vom Autoren nicht signieren lassen kann, als für ein Buch, das die genannten Eigenschaften alle besitzt? (Leider kann ich das genannte Buch von Alfred Döblin natürlich nicht mehr signieren lassen; es geht mir nur ums Prinzip)
Zudem kann man Ebooks nicht ohne Weiteres weiterverkaufen, geschweige sich ein gebrauchtes kaufen. Gebrauchte Taschenbuchexemplare von "Berlin Alexanderplatz" werden aber schon für etwa 2 Euro angeboten, womit klar ist, dass niemand, der halbwegs bei Verstand ist, sich das Ebook für 8,99 Euro zulegen wird, denn der, der sich ein Ebook kauft, kauft es, um es selbst zu lesen, nicht, um es zu verschenken, so dass ihm, da es ja nur ums Lesen geht, ein gebrauchtes Exemplar völlig genügt.
Da kaufe ich mir also logischerweise ein gebrauchtes Exemplar, oder ich hole mir das Ebook von einschlägigen Warez-Seiten im Internet als Raubkopie, falls ich das Ebook doch noch haben will.
Also, liebe Verlage, nicht wundern, wenn das Geschäft mit den Ebooks nicht so richtig laufen sollte. Im Falle des betrachteten Werkes von Alfred Döblin liegt es einfach am Preis.
Etwas Schönes an Weihnachten ist, ...
26.12.2011
... dass es plötzlich überall freie Parkplätze in Berlin Pankow, Prenzlauerberg und vielen anderen von Unberlinern dominierten Stadtbezirken gibt - ein Weihnachtsgeschenk, das allerdings nur bis zum 27. oder 28. haltbar ist - ein vorübergehendes Vergnügen wie eine Kinokarte, denn nur für die Weihnachtszeit gestaltet sich die Parkplatzsuche wie im Film: Du fährst hin, wo du hin willst, und findest genau vor der Haustür, wo du hin willst, einen Parkplatz. Die Helden im Film müssen nie einen Parkplatz suchen. Für die Helden im Film wird immer die ganze Straße gesperrt, damit sie einen Parkplatz vor der Haustür, wo sie hin wollen, bekommen. Doch die Realität ist anders in Berlin (außer zu Weihnachten): Du fährst hin, wo du hin willst, und findest da, wo du hin willst, keinen Parkplatz, weil die ganze Straße wegen Filmdreharbeiten gesperrt ist. (Filmdreharbeiten kann gerne durch "einer Baustelle", "geparkten Autos von Unberlinern", "eines Feuerwehreinsatzes" oder ähnliches ersetzt werden).Mein Sony PRS T1 - Ebook-Reader
6.11.2011

Nun besitze ich einen Sony PRS T1 und will meine Eindrücke der Welt mitteilen.
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Das Fehlerchen kommt
11.12.2011
Bald ist es so weit. Mein nächster Roman Das Fehlerchen wird im Frühjahr 2012 bei Voland & Quist erscheinen. Haltet mich ruhig für verrückt, aber ich glaube, dass ich mit dem Roman Das Fehlerchen etwas Großartiges geschaffen habe.11. September
7.9.2011
Ein Selbstgespräch mit mir selbst ...10 Jahre ists nun her. Und wie war es damals?Tube: Was hast du am 11. September 2001 gemacht?
Tobias: Das war doch der Tag mit den Flugzeugen, oder?
Tube: Ja, genau. Der Tag mit den Flugzeugen. Über den wird derzeit viel geredet. Jeder erzählt darüber seine Story. Im Radio, im Fernsehen kam was. Und nun. Erzähl wie du diesen Tag erlebt hast.
Tobias: Tja. Ich bin morgens aufgestanden. Hab mir die Zähne geputzt.
Tube: Ja, ja. Schon klar.
Tobias: Ja, und dann, ich weiß gar nicht mehr, was ich gemacht habe. Ich hab mich an den Computer gesetzt und einen Text verfasst. Internet gab es ja damals noch nicht.
Tube: Wirklich?
Tobias: 2001? Ich bin mir nicht sicher. Gab es da schon Internet?
Tube: Doch.
Tobias: Ok. Dann gab es also schon Internet. Aber ich hab es nicht oft benutzt.
Tube: Und dann? Jetzt komm doch endlich mal zur Sache.
Tobias: Olaf hat mich angerufen, mittags oder so, und er meinte, ich soll mal den Fernseher anschalten, da sei ein Flugzeug in ein Haus reingeflogen. Und ich meinte: Na und? Und er: na, musste mal kicken. Danach hab ich den Fernseher angeschaltet.
Tube: Und?
Tobias: Im Fernsehen zeigten sie einen Turm, der brannte. Und dann zeigten sie, wie ein Flugzeug in den Turm daneben reinflog. Olaf, der noch am Telefon war, sagte: jetzt ist noch eins reingeflogen. Und ich sagte: Ja. Sah so aus.
Tube: Und?
Tobias: Ja, das war es. So war das an dem Tag. Kurz nachdem ich den Fernseher angemacht hatte, ist das zweite Flugzeug reingeflogen. Das habe ich live im Fernsehen gesehen.
Tube: Und?
Tobias: Das war ein Schock. Da standen diese beiden brennenden Türme, und der Moderator im Fernsehen sagte, sie seien die höchsten Bauwerke New Yorks. Das war ein Schock für mich, weil ich bis dahin geglaubt hatte, das Empire State Building sei das höchste Gebäude in New York. Mein ganzes Weltbild ist da durcheinander gekommen. Aber kurze Zeit später war wieder alles in Ordnung.
Tube: Weil das Empire State Building dann doch wieder das höchste Gebäude in New York war?
Tobias: Ja. Ich musste gar nicht umlernen. Nach anderthalb Stunden war alles wieder beim alten.
Tube: Aber die Welt eine neue.
Tobias: Weiß ich nicht.
Tube: Hast du auch live im Fernsehen gesehen, wie die Türme eingestürzt sind?
Tobias: Ja. Der erste Turm stürzte in dem Moment ein, wo der Komentator sagte, die Türme seien so konstruiert, dass sie nicht einstürzen können.
Tube: Und? Warum sind sie eingestürzt? Sind sie gesprengt worden? Warum sind die Flugzeuge reingeflogen? Waren die Flugzeuge ferngesteuert? Wer hat die Flugzeuge gelenkt. Sind überhaupt Flugzeuge reingeflogen?
Tobias: Dazu gibt es ja sehr viele Ansichten und Theorien. Möglicherweise war es eine Wette zweier Piloten. Sie hatten gewettet, dass sie ihre Passagiermaschinen genau zwischen den beiden Türmen hindurchsteuern können.
Tube: Ist aber mächtig schief gegangen.
Tobias: Das ist wahnsinnig schwer. Ich hab das mal probiert auf dem Computer mit einem Flugsimulator.
Tube: Du glaubst doch aber nicht im Ernst, dass das die Wette zweier Piloten war.
Tobias: Naja. Sie haben ja später dann die wahren Täter genannt. Atta hieß der eine. Atta hat Stadtplanung studiert. Vielleicht war es sein spezieller Protest gegen das New Yorker Stadtbild.
Tube: Du spinnst.
Tobias: Vielleicht.
Großartige Vorstellung im Oceanarium
6.8.2011
Ein kürzlich auf Livelak veröffentchtes Video, in dem sich zwei Herren in weißen T-Shirts nicht von der Security aus dem Oceanarium haben herausbefördern lassen wollen, gibt es nun auch mit passender musikalischer Untermalung.Und was mag der Delphin, der sich mit den hereinplatschenden Menschen das Wasser teilen musste, der doch die eigentliche Attraktion sein sollte, wohl gedacht haben?
Ich bin nicht Gott
2.6.2011
Es folgt ein Selbstgespräch mit mir selbst. Der Tube fragt den Tobias. Und obwohl es hier nur ein Selbstgespräch ist, ist es ein Gespräch, das ich so oder so ähnlich schon tausend Male mit anderen geführt habe.Tube: Sag mal, bist du eigentlich Gott?Tobias: Nein.
Tube: Na klar bist du Gott. Ich hab dich doch neulich im Radio gehört bei den Zwiegesprächen. Deine Stimme ist die von Gott.
Tobias: Nein. Die Zwiegespräche mit Gott sind von Ahne. Die macht Ahne ganz allein. Und Ahne spricht auch Gott. Ständig fragen mich das die Leute. Egal, wo ich auftrete und meine Texte vorlese, bei einer Lesung, bei einer Comedyshow, bei einem Hochzeitsfest, völlig egal wo, irgendeiner kommt immer an: „Sag mal, bist du eigentlich Gott?“ Und nein und nein und nochmals nein! Ich bin nicht Gott.
Tube: Die Zwiegespräche macht Ahne allein? Aber die Stimme von Gott klingt genauso wie deine.
Tobias: Frechheit! Bei den Aufnahmen im Studio wird, wenn Ahne Gott spricht, seine Stimme mit einem Pitchshifter verfremdet, das ist so eine Art Mickymausstimmeneffekt. Ich hab doch keine Mickymausstimme. Frechheit!
Tube: Na ja. Es klingt nun aber mal so.
Tobias: Klingt es nicht!
Tube: Doch, es klingt so.
Tobias: Wenn du das noch mal sagst, hau ich dir eins in die Fresse.
Tube: Fightclub, wa?
Tobias: Du guckst zu viel Fernsehen.
Tube: Nein, ich höre vielleicht zu viel Radio, und die Stimme von Gott klingt nun mal wie deine, ob du dich nun selbst verdrischst oder nicht.
Tobias: Ich hab echt keine Ahnung, wie die da alle drauf kommen. Sicherlich habe ich mit Ahne ein paar Jährchen gemeinsam auf der Bühne gestanden, und da kann es schon vorkommen, dass man sich hier und da ein wenig einander angleicht. Nehmen wir Frauen, zwei beste Freundinnen zum Beispiel, die ständig zusammen rumhängen, die gleichen einander auch irgendwann soweit an, dass sie im gleichen Rhythmus ihre Tage kriegen.
Tube: Du hast mit Ahne gleichzeitig deine Tage gekriegt?
Tobias: Nein, natürlich nicht. Ich bin doch kein Mädchen. Ich meine doch nur, dass sich das auf die Art der Aussprache und die Stimme ausgewirkt haben könnte.
Tube: Aha. Und warum braucht Ahne dann einen Pitchshifter, so einen Mickymauseffekt, um so zu klingen wie du?
Tobias: Ohne Hilfsmittel kommt er eben nicht an das Original heran.
Tube: Welches Original?
Tobias: Na, an mich!
Tube: An dich? An Gott?
Tobias: Nein! Ich bin nicht Gott.
Tube: Aber du klingst so.
Tobias: Nein, verdammt noch mal! Ich klinge nicht wie Gott. Tschüss du.
Tube: Tschüss Gott.
Tobias: Nein! Ich bin nicht Gott.
Tube: Ach … Tobias?
Tobias: Ja?
Tube: Macht Ahne die Stimme von Gott wirklich mit so einem Mickymauseffekt?
Tobias: Ja, macht er, macht er wirklich, ja.
Braintwister
15.5.2011
Ich nenne sie Braintwister oder zu Deutsch vielleicht Hirnbrecher, das sind Satzkonstruktionen, derer unser Verstand sich zunächst zu erinnern glaubt, denen scheinbar der Sinn fehlt, in denen unser Gehirn aber schließlich eine sinnvolle Interpretation entdeckt, nur das Ergebnis als unbefriedigend empfindet und alsgleich verwirft. So geht die Suche nach dem Sinn von neuem los. Immer unbefriedigend.Dieser Satz ist ein solcher Braintwister:
Es gibt keinen Alkohol, es gibt nur zu wenig hässliche Frauen.
Aber auch einzelne (konstruierte) Wörter können diesen Effekt erzielen:
Leipzigtausend
Tube on Tour
11.5.2011
Ich bin dann mal unterwegs ...11.5.2011 - 20.30 Uhr Dresden: Thalia Kino12.5.2011 - 20.00 Uhr Chemitz: DAS TIETZ, Neue Sächsische Galerie
13.5.2011 - 20.00 Uhr Leipzig: Horns ErbenKommt alle!
Was für eine Nummer
8.5.2011
Zuerst trieben sie es in der Küche auf dem Deckel des Wasserkochers, wo ich sie mit einer schwungvollen Handbewegung fortgejagt, doch ließen sie bei ihrer Flucht nicht voneinander ab und staken noch im Fluge zusammen. Was für eine traumhafte Nummer! Frei in der Luft und zu zweit kreisten sie in Liebe dreimal um die Küchenlampe und ließen sich hernach an der Wand auf der Tapete nieder, ohne ihren Akt nur für die geringste Zeit zu unterbrechen. Ob sie noch gekommen sind, ist ungewiss. Ich hab sie plattgeklatscht.
Mein Freund ist Roboter
5.5.2011
Immer wieder höre ich die Frage: Wenn wir irgendwann einmal alle ein Grundeinkommen kriegen, also Geld ohne Arbeit, wer soll dann denn die Arbeit machen? Hier die Antwort: Roboter. Sie machen die Arbeit. Ist doch klar. Und dass Roboter viele Arbeiten weit besser durchführen als Menschen, ist längst kein Geheimnis mehr. Beim Fußball beispielsweise zeigen sie auf ihre Weise, wie schön diese Sportart sein kann, wenn sie nicht von Männern, die nur des Geldes wegen über den Platz rennen, betrieben wird.Gebt uns keine Arbeitsplätze! Gebt uns Geld!
2.5.2011
Gebt uns Geld, sonst arbeiten wir.Denn arbeiten wir, klingelt dein Telefon. Fragst dich, was der Anruf soll. Wolltst doch, dass wir arbeiten, undzwar voll. Verkaufen dir am Telefon, den Schmutz und Dreck aus unsrer Produktion. Hättst uns gleich das Geld gegeben, hättst ein angenehmres Leben. Hättst all den Dreck dir nicht gekauft wie das Lottolos, den Zusatz-DSL-Anschluss, den schwach saugenden Drittstaubsauger, des hässliche Kaffeeservice, den Atomstrom vom Ökostromanbieter, eine von uns irgendwo abgeschriebene Doktorarbeit, die große Erbschaft vom Onkel in Nigeria, die Lamadecke und den Familienbenutzer.
Heute: Demonstration gegen die Arbeit
Ultra-GAU im Tepco-Step
27.3.2011
Zwei Schritte vor, einen zurück. So führt Tepco die Welt behutsam an die Tatsache heran, dass sich im Kernkraftwerk Fukushima I ein Super-Gau ereigent hat. Zuerst die Meldung, die Strahlung sei 10 Millionen mal höher als üblich. Oh Schreck! Oh Graus! Wir haben Angst! Doch dann kommt die Entwarnung: Stimmt ja gar nicht. Alles nicht so schlimm. Die Strahlung ist nur 100000 mal so hoch wie sonst. Erleichterung! Es relativiert sich schon. Der Mörder hat sein Opfer nicht mit 100 Messerstichen umgebracht, sondern nur mit einem, und wenn Tepco morgen meldet, die Welt werde untergehen, können wir uns entspannt zurücklehnen, denn wenig später wird es heißen: Nicht die Welt, nur Japan.Hotel zu verachten
23.3.2011
Mindestens 10 von 5 Malen, wenn ich ich dort mit dem Auto an der Ampel stehe, und ich stehe da fast täglich einmal, frage ich mich: "Wieso ein Hotel verachten?" Und dann klatsch ich mir an den Kopf und sag mir: "Du Doofkopp. Die Ampel."


