Tube

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Tube (von manchen auch Tobias Herre genannt)


Tube liest einemal die Woche immer mittwoch bei der berliner Lesebühne Surfpoeten Geschichten vor.
kann Computerprogramme in fast jeder x-beliebigen Programmiersprache schreiben, hat mal früher sogar ein Computerspiel gemacht. Das Spiel heißt Atomino. Mit etwas Glück findetst du im Netz eine Raubkopie des Uraltgames. Außerdem testet Tube derzeit in einem aufopferungsvollen Selbstexperiment an einer private University in Berlin, was Lohnarbeit ist.

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Briefe an PRISM (7)

17.10.2013
Mein lieber Freund,
zunächst erst mal meine Glückwünsche an dich und dein Team. Ich hab es in der Zeitung gelesen: Ihr habt den Silkroad-Typen hops genommen, diesen Typen, der den Online-Marktplatz Silkroad betrieben hat, wo man Drogen aller Art kaufen konnte. Von ganz übler Sorte muss dieser Bursche gewesen sein, ist immer nur mit dem Onion-Brauser unterwegs gewesen, aber auch den hat PRISM ergriffen.
Von dem jungen Kerl hab ich Bilder in der Zeitung gesehen. Ganz ehrlich, der sieht völlig harmlos aus. Dem würde man überhaupt nicht zutrauen, dass er im Internet etwas so Verbrecherisches wie einen Online-Marktplatz für Drogen betreibt. Ein richtiges Milchgesicht ist der Silkroad-Typ. Grade mal 29, sieht so aus, als wäre der vor Kurzem noch mit der Trompete um den Weihnachtsbaum gerannt. Und der … der soll Silkroad betrieben haben? Und dann .... wegen Mordes klagt ihr ihn auch gleich an? Oder genauer gesagt, wegen versuchten Mordes? Der Arme, der Milchbubie. Wie der sich gefühlt haben muss, als er das Beweisfoto, wo die Leiche drauf war, zugemailt bekommen hat. Ich hab den FBI-Bericht gelesen, wo ihr ja auch seine Antwort-Email abgedruckt habt. Das las sich so, als hätte ihn das Bild mit der Leiche ganz schön schockiert, als ihm klar wurde, dass er einen Mord in Auftrag gegeben hatte. Für 80000 Dollar. Und das, weil irgendein Programmierer, den er für Silkroad beauftragt hatte, was zu programmieren, sich irgendwo ein paar Bitcoins abgezwackt hatte. Da konnte Silkroad-Milchbubie erst mal drei Monate nicht mehr ruhig schlafen mit der Last des Mordes im Kopf. Wenn er danach überhaupt jemals noch ruhig geschlafen hat. Bis zu seiner Festnahme.
Erst da hat er erfahren, dass gar keiner ermordet worden ist, dass sich ein verdeckter Ermittler vom FBI im Internet als Auftragskiller ausgegeben hat, dass das Blut neben der übel zugerichteten Leiche auf dem Beweisfoto nur Catchup war. Als Silkroad-Milchbubie das erfahren hat, ist ihm sicherlich eine Last von der Seele gefallen. "Hurra, Großer Gott, ich bin doch kein Mörder", hat er erleichtert gedacht, aber angeklagt wird er trotzdem. Für den Versuch. Der arme Milchbubie. Und auf jeden Fall war das ein Glanzstück von euch, ihn zu einem Auftragsmord zu bewegen, dafür 80000 Dollar zu kassieren, ohne dass der Mord passiert, und den Typen dann auch noch dafür einzubuchten. Ich denke, Milkroadbubie fühlt sich jetzt richtig angepisst. Vielleicht so ähnlich wie die eine Frau neulich, die in San Francisco den Flugzeugabsturz überlebt und dann, kurz nachdem sie die brennende Maschine verlassen hat, von einem zu Hilfe herbeifahrenden Feuerwehrauto überfahren worden ist. Das ist für sie Scheiße gelaufen: Hurra, ich habe einen Flugzeugabsturz überlebt. Scheiße, trotzdem tot. Hurra, ich habe keinen umgebracht, scheiße trotzdem im Knast. Die Feuerwehr hat sich aber wenigstens noch entschuldigt. In etwa mit den Worten: Wir hatten so viel Schaum auf das brennende Flugzeug gespritzt, dass man die Menschen gar nicht mehr sehen konnte. Drum haben wir leider versehentlich die Frau überfahren.
Mein lieber Freund, ich weiß, du denkst jetzt bestimmt, ich will mich für Milchroadbubie einsetzten. Dabei bin ich total gegen Drogen. Mir bekommt das Zeug einfach nicht. Ich hab es schon so oft probiert. Und dass Milchbubie laut seiner E-Mails noch einen anderen Mord in Auftrag gegeben hat, weiß ich auch. Aber auch jener Mord scheint nicht echt gewesen zu sein. Zumindest wird er jetzt wegen zweifach versuchten Mordes angeklagt. Aber darum geht es mir gar nicht.
Mein lieber Freund! Eigentlich schreibe ich die aus einem ganz anderen Grund.
Ihr beim NSA, ihr wisst doch alles, und ihr seht doch alles, sonst hättet ihr Milchroadbubie ja auch nie stellen können. Also, mein Problem ist, weshalb ich eigentlich schreibe, ich habe meinen Schlüssel für die Mülltonnen verlegt. Schon seit zwei Wochen kann ich keinen Müll mehr runterbringen. Kannst du mir vielleicht einen Tipp geben, wo ich ihn hingelegt habe? Ihr wisst das doch, oder?
Also schreib mir doch mal.
Grüße
Dein Tube
PS. Ich hatte dir ja schon einige Male angeboten, mich zu besuchen. Derzeit möchte ich dir davon allerdings abraten. Es ist kaum Platz wegen der vielen Mülltüten. Es riecht auch blöd.

Briefe an PRISM (6)

17.10.2013
Um mit meinem Sachbearbeiter bei PRISM in Kotakt zu treten, habe ich mehrere Mails an mich selbst geschickt, weil diese Mails dann ins Internet gehen, nach Ammerika, dort geöffnet, übersetzt, gelesen und an mich zurückgeschickt werden. (Siehe hier: Brief1, Brief2, Brief3, Brief4, Brief5). Nun habe ich eine andere elegante Methode gefunden, an meinen Sachbearbeiter heranzutreten, ohne dass ich meine Mails durchs Internet jagen muss. Ich schreibe die Mails einfach auf dem iPdad und speichere sie in der iCloud. Dann kann der Sachbearbeiter sie nämlich auch lesen. (Das ist übrigens das erste Mal, dass ich ein iPad sinnvoll einsetzen konnte). Und hier nun der Brief:
Mein lieber Freund,
nun habe ich dir schon wieder ganze zwei Wochen nicht geschrieben. Aber du hast dich ja selbst, obwohl du alle meine E-Mails liest, noch nicht ein einziges Mal bei mir gemeldet. Weder bist du meiner Einladung gefolgt, mich einmal direkt zu besuchen, noch hast du eine meiner E-Mails beantwortet. So langsam kommen mir Zweifel, ob es dich überhaupt gibt. Gibt es dich? Wenn ja, dann gib mir doch ein Zeichen. Ein ganz kleines Zeichen. Lass es kurz vor meiner Haustür schneien. Oder, falls es dir nicht möglich oder zu blöd ist Schnee zu machen, lass eine unbemannte Überwachungsdrohne auf den Potsdamer Platz stürzen. Lass es wie einen Unfall aussehen. Es muss ja keiner wissen, dass du du mir damit ein Zeichen sendest. Aber so, ohne ein Zeichen, finde ich unsere Kommunikation doch etwas einseitig, und obendrein ist es unhöflich von dir, dass du alle meine E-Mail liest, aber ich nie von dir was zu lesen kriege.
Übrigens war bei uns letzten Sonntag Bundestagswahl. Mit einem historischen Ergebnis: Die FDP ist an der 5%Hürde gescheitert. Erstaunlich war allerdings, dass sie immer noch 4,nochwas Prozente gekriegt hat. Ich habe übrigens nicht die FDP gewählt. Aber das weißt du ja sicherlich schon. AfD habe ich auch nicht gewählt. Übrigens, ein zweites historisches Egebnis: Eine Partei, die im März gegründet wurde, kommt im September fast um ein Haar in den Bundestag. Das ist schon beachtlich. Also, ich weiß nicht, wie das geht. Auch ist mir unklar, warum die CDU so viele Stimmen gekriegt hat. Wer hat die eigentlich gewählt? Angeblich fast jeder zweite. Also ich wars nicht. Aber das weißt du ja auch bereits. Und dennoch: Irgendwer muss diese blöden Spaßparteien doch wählen. Ich bin ja seit eh und immer dafür, dass eine 50%-Hürde für den Einzug in den Bundestag eingeführt wird. Dann müsste man sich mit solchem Mist wie Parteien gar nicht mehr herumschlagen. Oder die Wähler würden einfach alle ihre Stimmen gleichmäßig auf alle Parteien verteilen. Dann würden alle Parteien schon an einer 5%-Hürde scheitern. Aber ich bin ja nicht die Wähler. Ich bin nur ein Wähler. Trotzdem ist mir nicht klar, wer die CDU-Wähler alle sind. Ich kenne keinen. Oder mir gegenüber gibt das niemand zu. Ich kenne auch keinen, der Bild-Zeitung liest. Und trotzdem scheint sich die Bildzeitung ganz gut zu verkaufen. Mein lieber Freund! Ich weiß, dass du und ihr da alle beim NSA so richtige Computercracks seid. Dass ihr in alle Systeme einbrechen und die dort gespeicherten Zahlen manipulieren könnt. Ich frage jetzt mal einfach ganz offen und direkt: Habt ihr das gemacht mit den Stimmen für die CDU? Und wenn ja, warum? Damit wir Deutschen schön blöd dastehen? Ich meine, dass ist doch voll peinlich in der Weltöffentlichkeit, was das deutsche Volk sich da zusammengewählt hat. Also, wenn ihr das ward, dann war das, ich sag mal, ein ganz schön geschmackloser Scherz. Wenn ihr schon dabei seid, die Computersystem zu manipulieren, dann macht doch mal was nützliches. Vielleicht jedem Bürger einen 6-Stelligen Betrag aufs Konto. Ist doch gar kein Problem. Ob ihr nun aus 4% 42% macht oder aus -1500 Dispo 500000 Plus ist doch Wurscht. Mein lieber Freund! Als Beweis, dass es dich gibt, würde ich auch akzeptieren, wenn wenn du auf meinem Bankkonto einfach ein paar Zahlen ins Positive drehst. Vergiss das mit Drohne auf dem Potsdamer Platz. Da könnten Menschen bei verletzt werden.
Nun denn, mein lieber Freund!
So verbleibe ich mit liebsten Grüßen und einem hoffnungsvollen Blick auf meinen nächsten Kontoauszug. Dein Tobias
PS.: Falls du doch nicht am Wahlergebnis rumgeschraubt haben solltest ... könntest du da beim nächsten Mal vielleicht was machen? Irgendwas, was nicht so peinlich aussieht wie das Wahlergebnis jetzt? Ach bitte, mach mal!

Briefe an PRISM (5)

17.10.2013
Mein lieber Freund,
ich möchte mich entschuldigen, dass ich dir jetzt mehr als zwei Wochen lang nicht geschrieben habe. Ich hatte aber auch sehr viel zu tun. Ich bin nämlich grade dabei, ein Internetstartup zu gründen.
Ich weiß noch nicht genau, was dieses Unternehmen machen soll, vielleicht Klamotten verkaufen, vielleicht ein Preisvergleichsportal für Reisen oder was mit Pizzen, die man sich mit der Maus selbst bestücken kann.
Ich weiß es einfach noch nicht, aber eigentlich ist es auch völlig egal, welches Geschäftsmodell man wählt, wichtig ist, dass man einen Namen für die Firma hat, mit dem man sich von der Masse abhebt. Ich habe viel Zeit damit verbracht, einen solchen Namen zu finden. In die engere Auswahl sind jetzt gekommen: Monopodo, Honorando, Opododo, Poranodo, Moridoto, Bonobodo, Homopopo, Doponodo. Mein Favorit ist derzeit Monopodo. Ich finde, das merkt sich gut, und die Domain ist auch noch frei. Nicht schlecht ist auch Bonobodo, weil das originell ist, weil da stecken zwei Dinge drin, nämlich einmal der Name einer Affenart, Bonobo, und dann noch der Name Bodo. Wenn ich Bodo hieße, würde ich meine Firma wahrscheinlich Bonobodo nennen, weil ich Bodo hieße und die Bonobos bekanntlich alle Konflickte dadurch lösen, dass sie miteinander ficken anstatt sich zu prügeln. Völlig friedlich also. Aber ich heiße leider nicht Bodo. Ich heiße Tube. Manche nennen mich auch Tobias. Da böte sich als Firmenname höchstens Bonoboto an. Also vorn Bonobo und hinten das To vom Tobias. Oder wenn das To vorne käme, dann hieße die Firma Tobonobo. Aufgrund der Betonung würde hier das Wort Bonobo aber völlig untergehen, und der ganze Witz wäre weg.
Also, ich bin mir noch nicht sicher, welchen Namen ich für meine Firma wählen soll. Vielleicht mach ich es doch vom Geschäftsmodell abhängig.
Wie hast du denn das eigentlich damals gemacht, mein lieber Freund? Du musst doch auch irgendwann mal über den Namen deiner Firma nachgedacht haben. Gut, klar, NSA, das ist so ein Name, der einfach aus dem Zweck heraus geboren ist.
Aber PRISM? Das finde ich schon ganz schön gewagt. Da ist nicht ein einziges O drin. Wieso hast du da keinen originelleren Namen gewählt? Prismando vielleicht. Oder Prisipodo?
Aber gut, mein lieber Freund, ich darf nicht meckern. Du scheinst mit deinen Produkten ja trotzdem sehr erfolgreich zu sein. Nehmen wir nur das iPhone. Immerhin mit einem O drin. Allerdings ist das O nur in der Mitte und nicht am Ende. Aber dennoch ist das iPhone erfolgreicher als manches Internetstartup mit einem Namen wie Ominoso. Gerade jetzt, wo ihr diesen Fingerabdruckscanner eingebaut habt.
Da muss keiner mehr extra in die USA reisen, um euch die Fingerabdrücke zu geben.
Ich glaube, das mit Preisvergleichsportal für Reisen lass ich mal lieber. Ich mach vielleicht irgendwas mit Telefonen. Iphonodo oder so.
Nun denn, mein lieber Freund, ich muss mich wieder meinen Geschäften widmen. Beim nächsten Mal schreibe ich dir mehr.
Bis denn und liebste Grüße
Dein Tubodopodo
PS.: Melde dich doch endlich mal bei mir!

Briefe an PRISM (4)

17.10.2013
Mein lieber Freund,
nun habe ich mich eine Woche nicht bei dir gemeldet. Ich denke aber, dir ist das ganz recht. Hast ja schließlich genug damit zu tun, die E-Mails der vielen anderen, die dir schreiben, zu lesen. Seit dein geschätzter Ex-Kollege Eduard Snowden kund getan hat, dass du alle E-Mails liest, bekommst du sicherlich besonders viel Post. Das soll nicht heißen, dass ich denke, dass dir jetzt ganz viele Leute E-Mails schreiben. Ich denke ja, und das denken ganz viele andere sicherlich auch, dass du nicht wirklich alle E-Mails liest, es wären schlicht viel zu viele. Sicherlich hast du in deinem E-Mail-Programm den Spam-Filter so eingerichtet, dass das meiste verworfen wird.
Also bei mir habe ich das auch so eingerichtet. Zum Beispiel E-Mails, die das Wort Penisverlängerung enthalten, werden automatisch in den Spam-Ordner verschoben. Solche Mails lese ich gar nicht erst. Oder auch, wenn drinsteht, die Mail sei von der Sparkasse, ich solle dort und da hin klicken und sieben mal meine TAN eingeben, um mich vor bösartigen Computerviren zu schützen. Abgesehen davon, dass es absolut keinen Sinn macht, sieben Mal eine TAN zur Virenabwehr einzugeben, sind diese Mails auch meist in so schlechtem Deutsch formuliert, dass nicht mal der letzte Depp auf die Idee kommt, einen Link darin anzuklicken. Ich denke, ich könnte diese Mails wesentlich besser formulieren, womit deutlich mehr Leute auf diesen Sparkassen-TAN-Eingabe-Betrug reinfallen würden, aber mich fragt ja keiner. Doch das nur am Rande. …
Was ich dir eigentlich berichten wollte, mein Lieber Freund, ist dass ich neulich eine E-Mail erhalten habe, von der ich beim Lesen des ersten Satzes dachte, sie sei von dir. Der Satz lautete wie folgt:
„Sehr geehrter Herr, Ich muss wegen Verletzung Ihrer Privatsphäre entschuldigen.“
Danach stellte sich allerdings heraus, dass wohl nur mein Spam-Filter versagt hatte, denn es folgte das:
„Ich Mr Santos bin aus Benin West Afrika arbeitet derzeit in Multi-Millionen-Dollar-LNG Benin, damit ich diese Gelegenheit, um über Rechnung auf einem lukrativen ausländischen vergebener beeinflussen durch mein Büro und haben konnte, ein Vermögen im Wert von rund anzuhäufen 9 Million USD durch aufgeblasen über invoice. The Auftragnehmer wurde ausgeschaltet und ließ mich mit dem schwimmenden Summe in der lokalen Bank hier bezahlt.“
Bei der letzten Formulierung, „the Auftragnehmer wurde ausgeschaltet“, dachte ich noch einmal kurz, die Mail könnte vielleicht doch von dir sein, weil es ja zu deinem Beruf gehört, nicht nur E-Mails zu lesen, sondern auch Personen auszuschalten. Am Ende habe ich diesen Gedanken dann aber doch verworfen. Die Mail war sicherlich nur von einem Spaßvogel oder einem Terroristen. Also, ich als Terrorist (ich meine, wenn ich ein Terrorist wäre) würde vielleicht so verfahren, dass ich, wenn ich meinem Terrorhelfer mitteilen will, wann und wo das Attentat stattfinden soll, die entsprechende Nachricht in einem völlig sinnfrei wirkenden Text verpacke und diesen als Mail milliardenfach durchs Internet sende. Vielleicht bedeutet in der von mir zitierten Mail, „der Auftragnehmer wurde ausgeschaltet“, dass ein Attentat stattfinden soll, und zwar in Benin West Afrika, und es gibt als Belohnung 9 Millionen Dollar. Da kommt doch nie einer drauf, wenn das so sinnlos zusammengstümmelt ist, es könnte sich um eine Mail von einem Terroristen an einen Terroristen handeln. Alle schieben das in ihren Spam-Ordner.
Du auch, mein lieber Freund?
Das ist die Frage, die ich mir stelle und die sich viele andere sicherlich auch stellen. Was muss ich in meine E-Mails schreiben, damit sie nicht in deinem Spam-Ordner landen? Liest du wirklich alle E-Mails, in denen Worte wie Uran, Islamist, Schnellkochtopf und Rucksack vorkommen? Seit Eduard Schnoden sollten sich diese Worte weltweit in den E-Mails doch maßlos häufen, weil jetzt jeder in seinen Mails ein paar solcher Worte als Gruß an dich einfließen lässt. Wirst du dieser E-Mail-Flut überhaupt noch Herr? Oder hast du deinen Spam-Filter so programmiert, dass er Mails, die solche Worte enthalten, erst recht herausfiltert, weil klar ist, damit will dich nur jemand zuspammen? Und in Wirklichkeit liest du nur solche Mails, wie die zitierte von Hernn Mr Santos bin aus Benin West Afrika?
Ich weiß ja nicht, wie die Terroristen tatsächlich ticken, wenn sie Mails verfassen. Sie werden doch bestimmt nicht schreiben: „Ich will ein Attentat in New York verüben“. Als Mindestes wird man doch nicht so offensichtlich von einem Attentat reden. Attentat durch ein anderes Wort ersetzen. Affentat zum Beispiel.
Als ich klein war, habe ich wirklich gedacht, dass Attentat Affentat heißt, weil Attentate so beklopopt sind, dass sie nur von Affen gemacht werden können. Zum Beispiel die Flugzeuge vom 11. September, du musst das doch wissen, mein lieber Freund, wer hat da wirklich am Steuer gesessen? Affen? Verrat es mir bitte!
So verbleibe ich mit besten Grüßen und mit großer Hoffnung auf eine Antwort von dir oder auch deinen Besuch,
Dein Tube

Briefe an PRISM (3)

17.10.2013
Den ganzen Vormittag schon kreist ein Hubschrauber über den Dächern von Pankow. Mal erscheint der Hubschrauber vor meinem Küchenfenster gen Norden, mal vor dem Wohnzimmerfenster gen Süden. Und meist ist er so dich dran, dass die Kaffeetasse auf dem Tisch klappert. Wollen die vielleicht zu mir? Dann sollten sie irgendwo landen, aussteigen und ganz normal klingeln. Das wäre die übliche Art, bei mir auf sich aufmerksam zu machen. Aber dieses alberne vor dem Fenster hin und her fliegen, das ist , obwohl es der eine oder andere vielleicht ganz originell finden mag, Kinderkarten. Es kann natürlich sein, dass der Hubschrauber gar nicht zu mir will. Vielleicht will er zu meinem Nachbarn. Vielleicht suchen sie auch nur jemanden, einen Verbrecher. Vielleicht hat jemand im Rathauscenter die Sparkasse überfallen und das Geld dort geraubt. Hoffentlich nicht mein Geld. Da wäre der Räuber nämlich schön blöd. Bankräuber ist ja einer der gefährlichsten Berufe, die man ausüben kann, dafür aber auch sehr gut bezahlt. Nur eben nicht, wenn der Bankräuber mein Geld raubt. Der Hubschrauber kreist jetzt um ein anderes Haus herum. Vielleicht ist der Hubschrauber neu, und der Pilot möchte den Hubschrauber möglichst vielen Leuten zeigen. Oder wollen sie doch zu mir? Er kommt wieder in meine Richtung geflogen. Haben sie vielleicht schon mein Haus umstellt? Scharfschützen im Schlosspark? Eine Aktion des Geheimdienstes? Schrieb ich nicht neulich in einer E-Mail an meinen lieben unbekannten Freund, meinen Freund beim BND oder beim NSA, wo auch immer er sitzt, diesem Freund, der alle meine E-Mails lesen muss, schrieb ich ihm nicht, dass ich mir einen Schnellkochtopf und einen Rucksack beschafft hätte, bald eine Gaszentrifuge und Uran bekäme? Endete meine E-Mail mit nicht den Worten, dass er mich gerne mal besuchen könne? Und da muss er jetzt gleich ganz dick auftragen und mit einem Hubschrauber kommen ... Vielleicht ist er auch sauer wegen der verschlüsselten E-Mail, die ich kurz danach geschickt hatte. Nur an mich selbst natürlich. Aber trotzdem geht die Mail erst mal ins Internet, wo sie von meinem lieben Freund gelesen werden muss. Aber diese Mail konnte er eben nicht lesen. Oder vielleicht doch! Vielleicht konnte er den Schlüssel knacken. Unzählige Supercomputer in gewaltigen Rechenzentren, jedes so groß wie einst der Palast der Republik, haben rund um die Uhr eine Woche gerechnet, dabei eine erhebliche Menge Energie verbraucht, bis sie endlich die E-Mail dechiffriert hatten. „Wer das liest ist doof“, kam raus. Vielleicht hat das meinen Sachbearbeiter bei PRISM etwas verärgert. Ich werde ihm eine Entschuldigungsmail schreiben, unverschlüsselt, nur an mich selbst adressiert, versteht sich.
Lieber Freund,
ich hoffe, dir geht es gut. Wegen der verschlüsselten Mail neulich, das tut mir leid. Ich weiß nicht, ob du sie entschlüsseln konntest, also, falls es dir nicht gelungen ist, ich kann dir versichern, dass in der Mail absolut nichts Wichtiges drinstand. Falls du sie doch entschlüsselt hast, dann weißt du ja bereits, dass da was völlig Unwichtiges dringestanden hat. Das hat dich sicherlich einiges an Energie gekostet. Das tut mir leid, das soll nicht mehr vorkommen. Deshalb wird in meiner nächsten verschlüsselten Mail etwas sehr, sehr wichtiges drinstehen. Ohne schon alles vorweg zu nehmen, darf ich so viel verraten, dass es hier um ein paar Details zur Gaszentrifuge geht. Aber mehr verrate ich jetzt nicht. Falls du mich mal besuchen möchtest, du kannst von Alex mit der U-Bah bis U-Bahnhof Pankow fahren, dann eine Station mit der 50 und dann noch 5 Minuten laufen. Mit einem Hubschrauber geht es natürlich auch, ist aber irgendwie albern, wenn man genausogut mit den Öffentlichen hinkommt.
Nun denn, mein lieber Freund
Dein Tube
Ich drücke den Sendekopf meines E-Mailprogramms. Und wenige Sekunden später dreht der Hubschrauber vor meinem Fenster ab und fliegt davon in die Ferne. Na bitte, es ist doch alles halb so wild. Und schön, dass wir in so modernen Zeiten leben. Früher mit der Post, mit der Deutschen Post und einem Brief aus Papier wäre der Hubschrauber sicher noch zwei Tage um mein Haus gekreist.

Briefe an PRISM (2)

17.10.2013
-----BEGIN PGP MESSAGE-----
Charset: ISO-8859-1
Version: GnuPG v1.4.11 (GNU/Linux)
Comment: Using GnuPG with Thunderbird - http://www.enigmail.net/

hQEMAxwTUJYRowZtAQgAjYugF2Rn+Ylq3w6muAZSEp6x/e7v5MzqdNv/4w1uJ/7d
bYXxqJBbi4p/g1AVm3U/g/DXtpaGT+bj1I0O1DdN7Ct/K43mixifYwipyqN6XRaE
yXvDlrdJ4/Y817i2PPj39OysgF5D9JQggXnQgGkljifSYNj7MXqaM8NVoXzsZQoD
wJgcVXQvCc9nmsqo/Jlfmgwd39aa2ZjhHEf9nNEl8U1iGDQtILwaLZajZcCgrABJ
VVdfZB5APCdtbMbFnlrZA1mJTupHoFGYdS4zlHglEQ9Flt6IX1umBzz4VNZ44xp+
tnvHwdg5wszWo3Y/DwDrkr69tRTKr9E71UNt3G4YlNJSAQ/qiDH6b7szPNS6HC2c
PSPZSwskulQkO/MfusJSEUnn5pUaoBQeObHjAlSjpHAuaEM5TBIGDzPgFvus1iiF
MwKmDZxd+HOu+eJDrOdnl5Uyxw==
=IuB0
-----END PGP MESSAGE-----


Briefe an PRISM (1)

17.10.2013
Seit ich weiß, dass jede meiner E-Mails von einem Mitarbeiter der amerikanischen Stasi und von einem Mitarbeiter der BRD-Stasi und von einem Mitarbeiter der Britischen Stasi gelesen wird, seit ich also weiß, dass ich selbst nicht der Einzige bin, der meine E-Mails liest, denn die, an die ich meine E-Mails schicke, lesen sie meist gar nicht, sie sagen, sie hätten sie nicht erhalten, sie seien im Spamordner gelandet, verloren gegangen, unwichtig gewesen, was auch immer, seit ich nun also weiß, dass es dennoch jemanden gibt, der meine E-Mails liest, erscheint es mir nicht mehr ganz so sinnlos, den Sendeknopf meines E-Mail-Programms zu drücken, und zudem fühle ich mich meinem unbekannten Leser immer mehr verpflichtet, weshalb ich in letzter Zeit dazu übergegangen bin, in meinen E-Mails auch einmal ein paar Grüße direkt an ihn zu richten, ja, ich bin sogar schon soweit gegangen, dass ich Mails direkt und ausschließlich an meinen Mitleser gesendet habe, was ohne Weiteres möglich ist, selbst , wenn man dessen E-Mail-Adresse gar nicht kennt. Ich muss die E-Mail lediglich an mich selbst schicken, dann geht sie raus ins Internet, dann in die USA, dort wird sie geöffnet, übersetzt, gelesen, archiviert und eine Kopie über das Internet an mich zurückgesendet. Und so stellte ich mich zum ersten Mal persönlich bei meinem Sachbearbeiter vor:
Mein lieber Freund,
sicherlich wirst du überrascht sein, dass du von mir eine E-Mail bekommst. Du wirst dich wohl auch fragen, woher ich dich kenne. Nun, wir kennen uns über einen ehemaligen Arbeitskollegen von dir, er heißt Edward Snowden. Sicherlich hast du auch davon gehört, es hat ja in der Zeitung gestanden. Aber ich schreibe es dir trotzdem, weil ich nicht sicher bin, ob du bei den vielen E-Mails, die du am Tag lesen musst, überhaupt noch dazu kommst, Zeitung zu lesen. Ich hab auch gehört, dass einige von euch so richtig sauer auf den Edward sind, so sauer, dass sie ihm am Liebsten etwas antun wollten. Aber der Edward schützt sich vor euch. Er hat gesagt: Wenn ihm etwas zustoße, dann würden hochbrisante Informationen, die sich in seinem Besitz befinden, öffentlich werden.
Mein lieber Freund! Ich muss gestehen, dass ich großes Interesse an diesen brisanten Informationen habe. Deshalb habe ich mir einen Plan überlegt, wie man Edward Snowden etwas zustoßen lassen könnte. Um dich jetzt jetzt nicht mit den Details zu langweilen, will ich die Sache nur grob umreißen. Ich denke, es genügt, wenn ich sage, dass zur Durchführung ein Schnellkochtopf, ein Rucksack, eine Gaszentrifuge und natürlich etwas Uran benötigt wird. Die meisten Dinge davon habe ich mir schon besorgt. Schwierigkeiten bereitet derzeit nur das Uran, weil Wladimir, der mir schon 4 Kilogramm zugesichert hatte, das meiste davon ganz plötzlich an Haschem in Teheran verkauft hat. Jetzt muss ich warten, bis Wladimir die nächste Lieferung bekommt. Dann bekomme ich aber ganz sicher auch etwas davon ab. Die Gaszentrifuge wird hoffentlich nächste Woche eintreffen. Ich habe schon ordentlich Platz im Keller freigeräumt.
Lieber Freund!
Wenn du möchtest, kannst du mich gerne einmal besuchen. Dann kann ich dir die Sachen alle zeigen. Den Schnellkochtopf und den Rucksack.
Wo ich wohne, weißt du ja sicherlich.
Liebe Grüße
Dein Tobias
PS.: Du darfst auch Tube zu mir sagen.

Libri hat sich umbenannt ...

11.3.2013
Libri hat sich umbenannt in Ebook.de. Das heißt, bei Libri gibt es keine Bücher mehr, sondern nur noch Ebooks, oder? Und wie hieß die Domain noch mal gleich? Ebook.de oder Ebooks.de?
Ob sich mit der Umbenennung für Libri, die nun Ebook.de heißen, ein Vorteil gegenüber dem mächtigen Konkurrenten Amazon ergibt, wird sich zeigen. Wenn ja, könnte Amazon in Zugzwang geraten und sich auch umbenennen müssen, vielleicht in Ebook.com. Zudem müssen sich Thalia in Buchhandlung und Dussman in Buchgeschäft umbenennen, um nicht gänzlich ins Abseits zu geraten.
Und Raider heißt dann nicht mehr Twix, sondern Schokoriegel.

Der Urknall

13.1.2013
Ist der Urknall ein Werk Gottes oder ist er einfach so passiert?

Zukunft und Vergangenheit

22.12.2012
Eine Zeitmaschine, mit der wir in die Vergangenheit reisen können, ist äquivalent zu einer Maschine, die es uns ermöglicht, in die Zukunft zu blicken.

GodmodeTrader.de Strategie I - von Profis geführt, aber ...

22.7.2012
GodmodeTrader.de Strategie I - ISIN LU0468862833
Rückblick:
Nach seiner Erstnotiz im August 2010 startete der Fond eine steile Ralleye, die am 21.2.2011 in einem Alltime-High bei 107,10 Euro gipfelte. Von dort machten die Notierungen einen Rücksetzer, bevor sie anfang Mai 2011 das Alltime-High noch einmal in Angriff mahmen. Allerdings prallten sie erneut bei der Marke von 107 Euro zurück und verfielen nach der Bildung dieses Doppeltops in einen Abwärtstrend, der bis heute intakt ist.
Ausblick:
Derzeit befindet sich der Fond in einer Seitwärtsrange zwischen 92 und 94 Euro. Ein moderater Anstieg (auch aufgrund einer Meldung) an die obere Begrenzung des Trendkanals bei 94,50 bis 95 Euro ist wahrscheinlich. Danach sollte das Papier wieder zurückfallen und neue Tiefs bilden, wo erst im Bereich von 88 Euro leichte Unterstützung zu finden ist.
Sollte das Papier allerdings die Marke von 95 Euro nachhaltig überwinden, ist ein Anstieg bis 96 Euro realistisch. Die nächste Widerstände liegen dann bei 98 Euro und 100 Euro. Echte Longchancen ergeben sich allerdings erst bei Kursen über 100 Euro.
Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten derzeit nicht investiert.
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Der ESM wird bestimmt noch gestoppt ...

14.7.2012
... wenn nicht, ists das Beste, dort Mitarbeiter zu werden.
Wäre das nicht geil? Einfach zu sagen: "Gib mir mal ein paar Milliarden" und dann mit dem Geld machen, was man will ...
Unsere Bundestagsabgeordneten haben den ESM schon abgesegnet. Verrückt, oder?


Wie wird der Amazon-Verkaufsrang berechnet?

30.6.2012
Außer den Autoren selbst und vielleicht noch einigen Verlegern sieht niemand auf den Amazon-Verkaufsrang, ja, die meisten wissen nicht einmal, dass es ihn gibt, diesen Verkaufsrang, der bei jedem Buch auf Amazon in der Detailbeschreibung angezeigt wird. Weiter lesen

Man interviewte mich

30.6.2012
Hier beim Gedankenspinner

Arbeitslos und glücklich?

3.5.2012
Gestern war der 2. Mai, Internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen.
Ein Interview im ND mit mir:Arbeitslos und glücklich

Das Filmchen zum Fehlerchen

29.4.2012

Mehr Rezensionen

28.4.2012
Mehr Rezensionen zum Fehlerchen.